HD DVD Review: Death Proof – Todsicher
8. Dezember 2008 | Von nk | Kategorie: HD DVD Reviews, Reviews, Top Story
HD DVD Erscheinungstermin: 15.12.2008
Anbieter: Senator Home Entertainment
Genre: Thriller
Originaltitel: Death Proof
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Darsteller: Kurt Russell, Rosario Dawson, Vanessa Ferlito, Zoë Bell, Rose McGowan, Mary Elizabeth Winstead, Sydney Poitier, Tracie Thoms, Jordan Ladd, Eli Roth
Kinostart:2007
Video: 1080p, VC-1 encodiert
Audio: Deutsch und Englisch in DTS-HD High Resolution 5.1 und Dolby Digital 5.1
Untertitel: Deutsch
Laufzeit: 113 Min. 32 Sek.
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Anzahl der Discs: 1
Texas: Die drei Freundinnen Arlene (Vanessa Ferlito), Shanna (Jordan Ladd) und die DJane Jungle Julia (Sydney Poitier) verbringen einen heiteren Freitagabend in der Kneipe, wo sie den mysteriösen Stuntman Mike (Kurt Russell) kennen lernen. Allerdings ahnen sie noch nicht, dass der Psychopath nur darauf wartet den Dreien die Fähigkeiten seines “todsicheren” Chevy Nova auf tödliche Art zu demonstrieren.
14 Monate später ist Stuntmen Mike wieder unterwegs und hat es diesmal auf die vier Frauen Kim (Tracie Thoms), Abernathy (Rosario Dawson), Lee (Mary Elizabeth Winstead) und Zoë (Zoe Bell als sie selbst) abgesehen. Doch diesmal könnte sich Mike verrechnet haben, denn Kim und Zoe sind gestandene Stuntfrauen, die sich nicht so einfach von der Straße drängen lassen.
Death Proof ist Quentin Tarantinos Hommage an die von ihm geliebten alten B- bzw. Grindhouse-Movies. Dementsprechend finden sich in dem Film dann auch viele Elemente des Trash-Kinos wieder, wie z.B. die hauchdünne und leicht abstruse Story sowie die allen Genre-Klischees entsprechende Auswahl an Charakteren oder die absichtlich auftretenden “Beschädigungen” (Kratzer, Verschmutzungen etc.) des Filmmaterials.
Aber Tarantino wäre nicht Tarantino, wenn er nicht auch einer Hommage seinen eigenen dicken Stempel aufgedrückt hätte. Schnitt, Kameraführung, Dialoge – alles entspricht dem bekannten Stil des Meisters.
Doch leider vermasselt der Regisseur hier den Schwerpunkt, denn in dem Film wird viel zu viel geredet. Selbstverliebt und selbstzweckhaft reden die Protagonistinnen im typischen Tarantino-Jargon Sex and the City-like schier unendlich lange über die (un-)wichtigsten Nebensächlichkeiten.
Mag dass in Maßen wie z.B. in Reservoir Dogs und Pulp Fiction noch innovativ, cool und interessant sein, ist der Bogen hier eindeutig überspannt. Besonders im ersten Teil des Films vergehen ewig lange Minuten mit Dialogen, ohne dass sich die Handlung vorwärts bewegt.
Zum Glück ist der zweite Teil des Films in dieser Beziehung spürbar besser gelungen. Zwar wird auch hier noch viel geredet, dafür ist aber wenigstens öfter auch ein Bezug zur Handlung vorhanden. Überhaupt gewinnt man in der zweiten Hälfte der Story den Eindruck, man wäre in einem anderen Film gelandet, der mit seiner strafferen Erzählung und interessanteren Charakteren deutlich gefälliger wirkt als der zähe erste Teil. Zusätzlich gibt es als echten Höhepunkt des gesamten Films zum Finale – ganz im Stile von Bullitt und Fluchtpunkt San Francisco (Vantage Point) – noch eine der besten Autoverfolgungsjagden seit langem zu sehen.
Aber auch wenn das Drehbuch deutliche Schwächen aufweist, hat Death Proof auch seine Stärken. So gibt es auch diesmal wieder einige coole Mono- und Dialoge, die hängen bleiben. Darüber hinaus beweist Tarantino erneut ein gutes Händchen bei der Besetzung seiner Rollen. Speziell Zoe Bell und Tracie Thoms sind echte Entdeckungen. Kurt Russell als Stuntmen Mike darf sich ebenfalls in die Riege schon etwas in Vergessenheit geratener Filmstars einreihen, die dank Tarantino nochmal zeigen dürfen, dass sie von ihrer Klasse nichts verloren haben. Des Weiteren ist der Soundtrack besonders für Fans von Soul, Surf- und Garagenrock wieder ein echter Ohrenschmaus.
Da Death Proof absichtlich auf Trash angelegt wurde, kann man natürlich kein komplexes Werk der Filmkunst bzw. einen durchgestylten Action-Kracher erwarten. Aber auch ein B-Movie darf spannend erzählt sein und gerade die erste Hälfte lässt hier sehr zu wünschen übrig. Wenigstens kann der genial in Szene gesetzte Showdown ein wenig von den vorangegangenen Schwächen wieder gut machen.
Insofern ist der Film vor allem Hardcore-Fans von Tarantinos Dialog-Stil und allen Freunden von Auto-Stunts und Verfolgungsjagden zu empfehlen. Wobei letztere auch getrost die erste Stunde des Films überspringen und direkt mit dem zweiten Teil der Story beginnen können. Selbiges gilt im Grunde auch für jeden anderen, mit Ausnahme der zuerst genannten Gruppe Filmzuschauer.
Urteil: kann man sich ansehen
Death Proof ist wieder ein Transfer, dessen Bewertung auf Grund extremer künstlerischer Entscheidungen beinahe unmöglich ist, da nicht zu unterscheiden ist, was Absicht und was Fehler ist. Bei Death Proof kommt erschwerend hinzu, dass absichtlich Bildfehler eingebaut wurden, um den Eindruck einer schon tausendmal gezeigten und entsprechend abgenutzten Kopie zu erzeugen, wie es bei Grindhouse-Vorführungen üblich war. Dennoch kann man ein paar allgemeine Feststellungen treffen.
So unterscheidet sich der Bildeindruck je nach Teil der Story. Im ersten Teil sind die Farben sichtbar ausgebleicht und der Kontrast ist generell reduziert. Ein überstrahlendes Weiß ist auch gelegentlicht zu beobachten. “Beschädigungen” und “Verschmutzungen” des Films sind praktisch ständig sichtbar. Gelegentlich gesellt sich noch ein unruhiger Bildstand oder der ein oder andere Schnittfehler hinzu. Dagegen ist die Bildschärfe meist sehr gut und die Detaildarstellung zeigt bei mehr als nur einer Gelegenheit, dass hier aus einem Schwan absichtlich ein hässliches Entlein gemacht wurde.
Der zweite Teil der Geschichte beginnt wie der erste endet, wechselt dann jedoch in ein Schwarz-Weiß-Bild, das bis auf gelegentliche Schmutzflecken und ein deutliches Filmkorn schon deutlich weniger “Beschädigungen” aufweist als zuvor. Sobald das Bild wieder farbig wird, erscheint es wie ausgewechselt. So wurden kaum noch Verschmutzungen, Kratzer oder ähnliches eingebaut. Die Farben sind zwar immer noch ein wenig blass, aber deutlich kräftiger und leuchtender als zuvor. Auch der Kontrast wurde sichtbar erhöht. Ähnliches gilt für die nochmals verbesserte Bildschärfe als Detailwiedergabe. Wodurch ein in der Summe erkennbar plastischeres Bild entsteht.
Wie gesagt ist es fast unmöglich eine ordentliche Bewertung des Bildes abzugeben. Um überhaupt zu einem Ergebnis zu kommen, habe ich mich entschlossen sämtliche offensichtlich absichtlichen Bildfehler zu ignorieren und versucht Pi mal Daumen einen Durchschnitt aus den höchst unterschiedlichen ersten und zweiten Teil des Films zu bilden.
Urteil: 6,5 von 8 Punkten
Der Sound ist sehr frontlastig ausgefallen. So herrscht in vielen Szenen, in denen man durchaus die Wiedergabe von Soundtrack, Soundeffekten oder Umgebungsgeräuschen erwarten kann, auf den hinteren Kanälen schlicht Totenstille. Nur selten und augenscheinlich willkürlich ausgewählt, werden aber dennoch stellenweise alle Kanäle ausgenutzt. In diesen wenigen Sequenzen wird dann tatsächlich eine den Hörer umhüllende Surroundkulisse geschaffen.
Diese Beobachtung dürfte wie viele der Eigenheiten von Bild und Ton darauf zurückzuführen sein, dass hier absichtlich das trashige Grindhouse-Feeling erzeugt werden soll. Dazu passt dann auch die an den passenden Stellen dramatisierende, aber unrealistische Priorisierung verschiedener Soundeffekte bzw. der Filmmusik sowie der gelegentlich dumpfe Sound. Die gelegentlich die “Bildschäden” begleitenden “Tonfehler” dürfen natürlich ebenfalls nicht fehlen.
Im zweiten Teil des Films sind diese Phänomene allerdings deutlich reduziert bzw. treten nicht mehr in Erscheinung. Auch die Soundeffekte klingen nun deutlich homogener.
Da Death Proof ein sehr dialoglastiger Film ist, gibt es relativ wenige dynamische Efekte zu bestaunen. Aber gelegentlich geht es doch richtig zur Sache, wenn die großvolumigen V8-Motoren der Muscle-Cars röhren und das Blech der Autos aufeinanderprallt. Allerdings wird das Erlebnis dann wieder von dem praktisch auf die Frontkanäle beschränkten Sound getrübt.
Mögen Soundeffekte und Surroundkanäle unter dem Grindhouse-Effekt “leiden”, sind die Dialoge generell einwandfrei verständlich und bieten zumindest in dieser Hinsicht keine Probleme.
Zwischen den verschiedenen Tonspuren sind die Unterschiede nur geringfügig. Wobei die beiden DTS-HD High Resolution-Tracks ein wenig räumlicher bzw. offener klingen als die beiden Dolby Digital-Spuren. Ansonsten gibt es jeweils zwischen Deutsch und Englisch Dolby Digital bzw. DTS-HD HR Englisch und Deutsch praktisch – mal abgesehen von der Synchronisation – keine Unterschiede.
Insgesamt hätte der Sound sicher besser ausfallen können. Ob dies jedoch überhaupt jemals beabsichtigt war, ist wieder eine andere Frage. Wenn ich raten müsste, würde ich sagen: Nein. Daher ist auch die Bewertung des Sounds eigentlich nicht möglich und wie schon beim Bild höchstens ein Versuch, künstlerischen Willen und rein faktische Beobachtungen unter einen Hut zu bekommen. Denn wenn man rein nach der Absicht der Macher geht, einen Grindhouse gerechten Sound zu produzieren, muss man sagen, dass ihnen dies gelungen ist.
Urteil: 5,5 von 8 Punkten
Extras:
+ Stunts on Wheels: Die heissen Kisten (SD, MPEG, 11:45 Min.)
+ Sunts on Wheels: Die legendären Fahrer von Death Proof (SD, MPEG-2, 20:38 Min.)
+ Zoë Bell (SD, MPEG-2, 8:58 Min.)
+ Double Dare Trailer (SD, MPEG-2, 2:35 Min.)
+ Kurt Russel(l): Stuntman Mike (SD, MPEG-2, 9:33 Min.)
+ Quentins Mädels (SD, MPEG-2, 21:13 Min.)
+ Mary Elizabeth Winstead “Baby It’s You” (ungekürzte Fassung) (SD, MPEG-2, 1:47 Min.)
+ Die Jungs von Death Proof (SD, MPEG-2, 8:15 Min.)
+ Quentins beste Cutterin: Sally Menke (SD, MPEG-2, 4:37 Min.)
Die Extras sind allesamt interessant und auch recht kurzweilig. Die Featurettes beschäftigen sich dabei vor allem mit den Stuntfahrerinnen und -fahrern sowie speziell den Schauspielerinnen und ein wenig auch mit den männlichen Darstellern mit Kurt Russell im Mittelpunkt (dessen Namen Senator fläschlicherweise nur mit einem L schreibt.). Zur Produktion selber erfährt man im übrigen nur wenig.



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