Blu-ray Review: GET THE GRINGO

24. Juli 2013 | Von | Kategorie: Blu-ray Reviews, Reviews

Review von Ulrich K. Keuter

Blu-ray Erscheinungstermin: Kauf: 11.07.2013; Leih: 28.06.13 Get the Gringo Blu-ray Disc bei Amazon.de

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Anbieter: Concorde
Genre: Action
Originaltitel: Get the Gringo
Land, Jahr: USA, 2012
Kinostart: 28.02.2013
 
Regie: Adrian Grunberg
Drehbuch: Mel Gibson, Stacy Perskie, Adrian Grunberg
Darsteller (u.a.): Mel Gibson, Kevin Hernandez, Daniel Giménez Cacho, Jesús Ochoa, Dolores Heredia, Peter Gerety, Roberto Sosa, Peter Stormare, Mario Zaragoza, Gerardo Taracena, Dean Norris, Tenoch Huerta
 
Video: 1080p24, 2,40:1, MPEG-4/AVC
Audio: Deutsch und Englisch in DTS-HD Master Audio 5.1

Untertitel: Deutsch

Laufzeit: 96 Min. 29 Sek.  
Region: A, B, C  
FSK: freigegeben ab 18 Jahren  
Anzahl der Discs: 1x BD50  

 


 

Film:

Mel Gibson wird einfach nicht müde. Gut so, denn er gehört für mich zu den wenigen charismatischen Altstars, die scheinbar niemals alt werden und immer wieder für eine Leinwandüberraschung gut sind. Mit seinem neuesten Film Get the Gringo knüpft er an alte Payback-Zeiten an und präsentiert uns eine weitere Gangster-Persiflage, in der er sich wieder in seiner Paraderolle sieht und den sympathischen, schlitzohrigen Antihelden spielt, den ich seit Mad Max (1979) kenne und liebe.

Nach einer spektakulären aber schlussendlich nicht erfolgreichen Flucht vor der amerikanischen Grenzpolizei findet sich der Fahrer des gescheiterten Raubzugs (Mel Gibson) als einziger Überlebender in einem mexikanischen Gefängnis wieder, das mehr einem Einkaufscenter als einem Gefängnis gleicht und von einer mafiaähnlichen Gangsterbande beherrscht wird. Der Beute von knapp 2 Millionen Dollar haben sich derweil zwei korrupte mexikanische Polizisten angenommen, denen aber sehr bald schon die nicht minder skrupellosen Drahtzieher des Überfalls im Nacken sitzen werden. Dem namenlosen “Gringo”, wie er sehr bald nur noch im Gefängnis genannt wird, nützt das aber herzlich wenig und so beginnt er bald, mit Hilfe seiner neuen Gefängnisbekanntschaft, einem aufgeweckten Jungen (Kevin Hernandez), einen raffinierten Plan auszuarbeiten, um sowohl seine Freiheit als auch seinen Anteil an der Beute wiederzuerlangen.

Mit Get the Gringo ist Mel Gibson in Zusammenarbeit mit Adrian Grünberg, der hier erstmals im Regiestuhl Platz nimmt, ein sehr guter Actionfilm gelungen, der zwar nicht ganz die Klasse eines Payback – Zahltag (1999) erreicht, jedoch durch eine sehr ähnliche Mischung an Qualitäten überzeugt. Da wäre zunächst einmal der unnachahmlich humorvolle Unterton, der zeigt, dass sich der Film trotz der gebotenen Härte nicht ganz so ernst nimmt und außerdem sehr gekonnt kleinere Schwächen in der Story überspielt. Mel Gibson bringt hier gewohnt souverän seine Routine als Selbstdarsteller ein und hat stets zur rechten Zeit einen markigen Oneliner auf den Lippen. “Is this a prison or the world’s shittiest mall?”, fragt sich der Gringo stellvertretend für den ebenfalls verblüfften Zuschauer.

Auch das Zusammenspiel des Gringos mit seinem jungen Sidekick, hervorragend gespielt von Kevin Hernandez, ist geprägt von Spielfreude und Humor, der jedoch stets sehr dosiert eingesetzt wird. Diese spürbare Maßarbeit in der Tonalität und in dem gekonnten Wechselspiel zwischen ernsten und ironischen Themen ermöglicht es dann auch den restlichen Qualitäten, sich stimmig in das Gesamtkonzept einzufügen. Das wären dann die wirklich exzellent choreographierten und gefilmten Actionszenen, deren Bodycount und Gewaltdarstellung die 18er-Freigabe durchaus rechtfertigen, und die tolle Ausstattung des Films. Vor allem das mexikanische Gefängnisgetto mit seiner eigenen, ganz speziellen Subkultur gibt als Hauptschauplatz eine interessante, relativ unverbrauchte Kulisse, die nur so strotzt vor liebevollen Details.

Mel Gibsons jüngstes Werk filmtechnisch zu kategorisieren ist nicht einfach, ihn zu empfehlen jedoch umso mehr. Get the Gringo gelingt die Vermischung von Elementen aus hartem Actionthriller und schwarzer Komödie und steht damit, wenn auch nicht ganz auf Augenhöhe, zumindest in bester Tradition von Payback oder auch Klassikern wie Pulp Fiction.

Urteil: gelungener Actionfilm mit einem guten Schuss Selbstironie und Spaß-Garantie!

 


 

Bild:

Get the Gringo wurde komplett digital produziert und liefert somit exzellente Voraussetzungen für einen makellosen Blu-ray-Transfer. Dies ist mit einigen, hauptsächlich stilmittelbedingten Einschränkungen auch recht gut geglückt, denn das Bild zeigt sich stets scharf, größtenteils sehr detailliert und verfügt zumindest in hellen Außenaufnahmen über eine sehr gute Plastizität. Trotz des digitalen Ausgangsmaterials wirkt das Bild dabei niemals steril, sondern weist sogar einen leicht körnigen Filmlook auf.

Die Farbpalette wird bedingt durch den Einsatz von Farbfiltern deutlich eingeschränkt und präsentiert sich meistens stark gelblich bis bernsteinfarben, was aber sehr gut zum Schauplatz und zur Handlung passt. Insbesondere die Atmosphäre des Gefängnisses wird so hervorragend zur Geltung gebracht. Leider geht der starke Filtereinsatz in vielen dunklen Szenen auf Kosten der Durchzeichnung, denn dunklere Bildbereiche erscheinen deutlich schwächer texturiert. Kontrastverhältnis und Schwarzwert gehen insgesamt in Ordnung, könnten aber noch besser sein.

Insgesamt reiht sich Get the Gringo ein in die Kategorie der hochwertigen, aber aus Sicht des HD-Puristen unspektakulären Blu-ray-Transfers. Wenn sich jedoch, wie im vorliegenden Fall, die Technik der Filmkunst beugt und Heimcineasten den Film so zu sehen bekommen, wir er aussehen soll, dann ist dies ein akzeptabler Kompromiss.

Urteil: 6,5 von 8 Punkten

 


 

Ton:

Audioseitig präsentiert sich Get the Gringo mit einer unkomprimierten deutschen Tonspur in DTS-HD Master Audio 5.1, die sich zwar als überwiegend frontlastig erweist, dafür aber mit einem sehr gelungen und überaus stimmigen Soundtrack punkten kann. Der Einsatz des Subwoofers gibt sich ebenfalls keine Blöße und reproduziert satte Bässe und druckvolle Explosionen. Leider ist die Verständlichkeit der Dialoge nicht immer gegeben, da sie im Vergleich zu den Effekten und der Musik zu leise abgemischt sind.

Räumliche Effekte beschränken sich auf natürliche Umgebungsgeräusche und einige wenige direktionale Effekte in den Actionszenen. Dabei fallen die Präzision der Geräusche und die gute Feindynamik des Klangfeldes auf, die auch gegenüber dem englischen Originalton (DTS-HD Master Audio 5.1) nicht abfällt, was Seltenheitswert hat. So ergibt sich schließlich eine Audioleistung, die sich mit der nicht immer gegebenen Dialogverständlichkeit zwar einen groben Schnitzer leistet, in der Summe ihrer Eigenschaften jedoch noch als zufriedenstellend bezeichnet werden kann.

Urteil: 5,5 von 8 Punkten

 


 

Bonusmaterial:

In der Abteilung Extras gibt es zwei Dokumentationen zur Produktion des Films sowie Interviews mit Mel Gibson, Kevin Hernandez und dem Regisseur Adrian Grünberg. Die Beiträge fallen in punkto Laufzeit und Informationsgehalt sehr ordentlich aus und zeigen beispielsweise wie und wo Mel Gibson sich als Produzent und Drehbuchautor in den Film eingebracht hat. Abgerundet wird das Sammelsurium durch eine als “B-Roll” bezeichnete Collage von nicht verwertetem Making-Of-Material, den Kino-Trailer zum Film sowie weitere Werbetrailer zum Programm des Verleihers. Sämtliche Extras liegen in HD vor und sind optional deutsch untertitelt.

 

- Werbetrailer vor dem Film:

  • Red Dawn (2:12 Min.)
  • Warm Bodies (2:01 Min.)

- Making-Of (17:15 Min.)

- Am Set (11:01 Min.)

- Die Verfolgungsjagd

- Der Showdown

- Das Gefängnis wird geräumt

- Interviews (24:43 Min.):

  • Mel Gibson
  • Kevin Hernandez
  • Adrian Grünberg

- B-Roll (22:43 Min.)

- Deutscher Kinotrailer (1:29 Min.)

- Programmtipps:

  • Red Dawn (2:12 Min.)
  • Silent Hill: Revelation (2:09 Min.)
  • Safe – Todsicher (1:25 Min.)
  • Warm Bodies (2:01 Min.)
  • Columbus Circle (2:40 Min.)
  • Brake (2:16 Min.)

 


 

Bedienung und Präsentation:

Der Bootvorgang wird von zwei vorgeschalteten, aber glücklicherweise überspringbaren Werbetrailern unterbrochen (s. Bonusmaterial) und benötigt im günstigsten Fall ca. 70 Sekunden auf einer PS3. Mit Hilfe der vorhandenen Resume-Funktion geht es ungleich schneller: In knapp 25 Sekunden ist man nach einem Abbruch des Films wieder im Geschehen. Das nenne ich vorbildlich. Das Hauptmenü lässt sich einfach navigieren und wird mit passenden Bildern und Musik aus dem Film zum Leben erweckt.

Für das Review lag uns leider nur die Disc vor. Nach eigener Recherche kommt die Blu-ray aber in einem Standard Case inklusive Wendecover.

 


 

Fazit:

Mel Gibson hat es immer noch drauf. Get the Gringo macht überraschend viel Spaß und sollte mit seiner Mischung aus harter, kompromissloser Action und Gangster-Persiflage insbesondere den Nerv von Payback- und Pulp Fiction-Fans treffen. Die Qualität dieser Referenzen wird aber leider nicht erreicht, dafür gibt die Story dann doch zu wenig her. Für einen gelungenen Heimkinoabend reicht es aber allemal.

Fans, die sich den Film ins Regal stellen wollen und auf eine deutsche Tonspur zur Not verzichten können, sollten prüfen, ob ein Blu-ray-Import vielleicht die bessere Wahl ist. Bild und Bonusmaterial dieser Erstveröffentlichung gehen zwar in Ordnung, jedoch die Dialogqualität der deutschen Tonspur lässt zu wünschen übrig. Im Zweifel empfehle ich:

Gesamturteil: erst ausleihen, dann kaufen!

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Ein Kommentar
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  1. Der trailer war besser als der ganze film
    Da hätte man mehr daraus machen können
    Schade um das verschenkte potzenzial