Blu-ray Review: HARA-KIRI 3D – TOD EINES SAMURAI

12. Juli 2012 | Von | Kategorie: Blu-ray Reviews, Reviews

Review von Ulrich K. Keuter

Blu-ray Erscheinungstermin: Kauf: 22.05.2012, Leih: 23.04.2012 Hara-Kiri - Tod eines Samurai 3D Blu-ray Disc bei Amazon.de

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Anbieter: Ascot Elite
Genre: Action
Originaltitel: Ichimei
Kinostart: -
 
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Kikumi Yamagishi, Yasuhiko Takiguchi (Roman)
Darsteller (u.a.): Kôji Yakusho, Hikari Mitsushima, Naoto Takenaka, Eita, Munetaka Aoki, Kazuki Namioka, Ebizô Ichikawa
 
Video: 1080p24, 3-D, 2,35:1, MPEG-4/AVC
Audio: Deutsch und Japanisch in DTS-HD Master Audio 5.1

Untertitel: Deutsch

 
Laufzeit: ca. 127 Min. 42 Sek.  
Region: B  
FSK: freigegeben ab 16 Jahren  
Anzahl der Discs: 1x BD  

 


 

Film:

Man sagt im Allgemeinen mit dem Alter kommen Ruhe und Reife. Nun, im Fall des japanischen Ausnahmenregisseurs Takashi Miike scheint sich dies zu bewahrheiten – für den Moment jedenfalls. Liebte er in seiner frühen Schaffenszeit vor allem die Provokation seines Publikums mit kontroversen Werken wie beispielsweise Visitor Q, so findet er spätestens seit seinem letzten überaus gelungenen 13 Assassins zu einer bedächtigeren Erzählform, die in erster Linie die Geschichte und nicht die Kreativität ihres Meisters inszeniert. Mit Hara-Kiri – Tod eines Samurai, einem weiteren Remake eines Klassikers des japanischen Films (Harakiri, 1962), knüpft er mit einem starken, emotionalen Plot an diesen neuen, für seine Fans eher ungewohnten Stil an.

Die Geschichte spielt im Japan des frühen 17. Jahrhunderts, in dem viele herrenlose und zumeist verarmte Samurai, sogenannte Ronin, durch das befriedete Land ziehen. Einer davon ist Motome (Eita), der eines Tages dem Hause Li eine ungewöhnliche Bitte vorträgt, denn er möchte im Hof des Fürsten den rituellen Selbstmord, genannt Seppuko, ausführen. Motome ist verzweifelt, denn seine Frau und sein Kind sind schwer krank und ihm fehlt das Geld für Medizin, jedoch beabsichtigt er keineswegs, seinem entbehrungsreichen Leben ein Ende zu bereiten. Vielmehr hofft er darauf, dass das Fürstenhaus versuchen wird, ihn mit Hilfe eines kleinen Geldgeschenkes umzustimmen, um so der Schmach eines aus dem Motiv der Armut heraus begangenen Seppuko zu entgehen. Womit Motome jedoch nicht gerechnet hat ist, dass dem Verwalter des Hauses, Kageyu (Kôji Yakusho), Berichte vorliegen, nach denen sich bereits andere Samurai vor Motome auf diese Art und Weise Geld bei Fürstenhäusern erschwindelt haben. Kageyu ist daher gewillt, Motomes Wunsch zu entsprechen, um den Schwindel aufzudecken und an ihm ein Exempel zu statuieren. Als kurze Zeit später ein weiterer todeswilliger Ronin names Tsugumo (Ebizô Ichikawa) das Fürstenhaus betritt, wird auch seinem Wunsch entsprochen. Rasch wird Kageyu jedoch klar, dass Tsugumo in einem engen Verhältnis zu Motome stand und auch für ihn das Begehren nach rituellem Selbstmord nur ein Vorwand ist. Tsugumo verfolgt einen trickreichen Plan, der das inzwischen faule System von traditioneller Ehre entlarven soll.

Hara-Kiri – Tod eines Samurai wartet mit exzellent choreographierten Kampfszenen auf, ist jedoch kein Actionspektakel, sondern ein stimmungsvoll inszeniertes Drama. Jede Bewegung der Protagonisten, jeder Kameraschwenk wirkt hier durchdacht. Und Miike nimmt sich genügend Zeit für seine tragischen Figuren, die, mit exzellenten Darstellern besetzt, der Geschichte sehr viel Emotion verleihen. Dieser Fokus mag viele Fans enttäuschen, erweist sich jedoch als eine sehr gute Entscheidung, denn es macht den Film zu einem ganz besonders intensiven Stoff, der Begriffe wie Ehre, Familie und Aufopferung erforscht. Miike zeigt uns wie stolze Menschen demutsvoll unter großen Entbehrungen leben können, solange sie ihren Vorstellungen von Ehre und Anstand gerecht werden, wie diese Werte plötzlich in Konflikt geraten können und was passieren kann, wenn das eigene Schicksal herausgefordert wird. Dabei geht er, und zumindest dies bleibt weiterhin typisch für Miike, gerne ins Extrem. Gleichsam tragisch und verstörend grausam muten die Geschehnisse an, die in einem starken Kontrast zu der heilen Welt zu stehen scheinen, die dem Zuschauer hier in harmonischen, ruhigen Bildern präsentiert werden. Nicht viele werden zu diesem Film zurückkehren, aber vielen wird er sehr lange in Erinnerung bleiben.

Abschließend die Frage: Mutiert das Enfant Terrible des japanischen Films nun zum Melodramatiker? Unwahrscheinlich. Und falls doch, welcher Fan wird es ihm übel nehmen, wenn er weiterhin Werke von dieser Güte abliefert? Na gut, Quentin Tarantino vielleicht.

Urteil: besonders sehenswert

 


 

Bild:

Bildtechnisch spielt Hara-Kiri 3D – Tod eines Samurai leider nur in der Blu-ray-Mittelklasse. Der Transfer im Originalbildseitenverhältnis 2.35:1 punktet mit tollen Bildkompositionen, die von sehr natürlichen warmen Farben zum Leben erweckt werden. Dabei bieten Close Ups und Außenaufnahmen eine befriedigende bis gute Detailzeichnung. Auch der Kontrast balanciert hier helle und dunkle Bildbereiche ganz ordentlich. Schärfe und Detailgrad des Bildes sind ausreichend, lassen aber recht deutlich erkennen, dass der Transfer nur auf einem 2K-Master basiert. Richtiges HD-Feeling kommt leider zu keinem Zeitpunkt auf. Insgesamt wirkt das Bild in fast allen Einstellungen zu dunkel. Als besonders problematisch erweisen sich wieder die zahlreichen Innenaufnahmen in den schwach beleuchteten, schattenreichen Räumen der Burg. Hier gehen in dunklen Bildbereichen sehr viele Details verloren, so dass z.B. an Wänden und Stützpfeilern kaum noch Texturen auszumachen sind.

Urteil: 5,5 von 8 Punkten

 


 

3D:

Technisch gesehen gibt die 3D-Version des Films eine solide und fehlerfreie Vorstellung. Der Schärfeeindruck verbessert sich gegenüber der 2D-Fassung deutlich, dennoch waren Doppelkonturen selbst in dunklen Szenen nicht auszumachen. Auch der räumliche Eindruck kann als durchweg gelungen betrachtet werden und trägt in vielen Einstellungen zu einem intensiveren Bilderlebnis bei. So zum Beispiel wenn es im Innenhof zu schneien beginnt und die weißen Flocken einem praktisch auf der Nase herumtanzen. Größtenteils jedoch ist 3D bei diesem Film mit seiner eher ruhigen fast schon statischen Bildsprache kaum mehr als ein Bonus-Feature, das die Bildqualität anhebt. Deutlich wird dies meiner Meinung nach vor allem beim finalen Showdown, der von den effektreichen Möglichkeiten des 3D-Kinos leider kaum Gebrauch macht. Dieser Verzicht auf Effekthascherei mag eine bewusste Entscheidung gewesen sein, nur steht sie im krassen Widerspruch zur Vermarktungsstrategie und den Erwartungen des 3D-Publikums.

Urteil: 6 von 8 Punkten

 


 

Ton:

Auf der Blu-ray befinden sich eine deutsche und eine japanische Tonspur, beide im Format DTS-HD Master 5.1. Die getestete deutsche Spur ist sehr frontlastig und trumpft in erster Linie mit einer exzellenten Synchronisationsleistung und glasklaren Dialogen auf. Surround Aktivität gibt es kaum und räumliche Effekte sind leider auch in den Kampfsequenzen Fehlanzeige. Die klassisch inspirierte Filmmusik wird sehr leise und gezielt eingesetzt, um einigen Schlüsselszenen noch mehr Dramatik und Emotionalität zu verleihen. Für Freunde des Originaltons, der hier einen Hauch kraftvoller klingt, gibt es optionale deutsche Untertitel. Insgesamt eine stimmige, wenn auch wenig dynamische Audioleistung.

Urteil: 7 von 8 Punkten

 


 

Bonusmaterial:

Bis auf 3 Trailer zum Film und eine Programmvorschau bietet die 3D-Version von Hara-Kiri – Tod eines Samurai keinerlei Extras. Dies ist umso bedauerlicher, da der Verleiher ebenfalls die Rechte an dem Original aus dem Jahre 1962 erworben hat, diesen jedoch nur gesondert in einer 2-Disc Special Edition vermarktet. Diese enthält jedoch nur die 2D-Version, so dass sich Fans gezwungen sehen, entweder zweimal zu zahlen oder sich zwischen der 3D-Version und dem Originalfilm zu entscheiden. Eine fragwürdige, nicht gerade kundenfreundliche Veröffentlichungspolitk, die Ascot Elite da betreibt.

 

- Filmtrailer:

  • Deutscher Trailer (2:14 Minuten)
  • Originaltrailer (2:08 Minuten)
  • Alternativer Trailer (2:38 Minuten)

- Programmvorschau:

  • Hasta la Vista
  • The Hunter
  • Texas Killing Fields
  • 13 Assassins
  • Dschingis Khan
  • Clash of Empires
  • Set Up
  • Blackthorn

 

 


 

Bedienung und Ausstattung:

Die Bedienung der Blu-ray gibt sich schlicht und ausreichend funktional. Die Disc bootet in ca. 45 Sekunden und bietet danach ein simpel zu navigierendes Auswahlmenü auf einem animierten Hintergrundbild. Ein schneller Wechsel zwischen 2D und 3D ist während des Films leider nicht möglich. Dafür gibt eine Resume-Funktion, die den Bootvorgang noch einmal auf gut 30 Sekunden verkürzt.

Die Blu-ray von Hara-Kiri 3D – Tod eines Samurai kommt im Single Disc-Case, der in einem Hochglanz-Pappschuber mit aufgedrucktem FSK Logo steckt. Im Case selbst befindet sich jedoch ein Wendecover ohne Logo. Ein Booklet oder sonstige Beilagen gibt es nicht.

 


 

Fazit:

Hara-Kiri 3D – Tod eines Samurai birgt keine großen Überraschungen für Eastern-Fans, erzählt jedoch eine hoch dramatische und überaus emotionsgeladene Geschichte, die einen von der ersten bis zur letzten Minute in ihren Bann zieht. Dabei schafft es Miike, die tragische und innerlich aufwühlende Handlung in eine ruhige, schon fast meditativ wirkende Bilderwelt zu tauchen. Aber wie fast jedes Werk vom einstigen “Enfant Terrible”, so ist auch sein jüngster Film mit Bedacht zu genießen, denn der ist nicht nur beklemmend traurig sondern auch erschreckend grausam. Ganz sicher ist dies kein Film für jedermann und taugt schon gar nicht für einen heiteren Kinoabend.

Das “3D” im Titel hätte der Verleiher vielleicht besser weglassen sollen, denn hier werden Erwartungen geschürt, die der Film schon rein inhaltlich gar nicht erfüllen kann und vermutlich auch niemals wollte. Technisch gesehen wurde das 3D zwar sauber implementiert, es bietet aber bis auf die gesteigerte Räumlichkeit der Bilder keinen weiteren Mehrwert für den Genuss des Films. Darüber hinaus enttäuscht die 3D-Version leider in Bezug auf die Ausstattung, so dass ich sowohl Fans als auch Interessierten zur ebenfalls erhältlichen Special Edition raten muss. Diese bietet den Film zwar nur in 2D, weist jedoch mit der Filmvorlage aus dem Jahre 1962 ein echtes Schmankerl als Bonus auf.

Gesamturteil: eingeschränkte Kaufempfehlung (für eingefleischte 3D-Fans)

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