HD DVD Review: Full Metal Jacket – Deluxe Edition (US-Import)

13. Juli 2008 | Von | Kategorie: HD DVD Reviews, Reviews

Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick, Michael Herr, Gustav Hasford
Darsteller: Matthew Modine, Adam Baldwin, Vincent D’Onofrio, Lee Ermey, Dorian Harewood, Arliss Howard, Kevyn Major Howard, Ed O’Ross
Kinostart: 1987

Video: 1080p, 1,85:1 in 16:9, VC-1 encodiert
Audio: Englisch in Dolby TrueHD, Englisch, Französisch und Spanisch in Dolby Digital Plus
Untertitel: Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesisch, Niederländisch, Finisch, Koreanisch, Portugiesisch und Schwedisch

Laufzeit: 116 Min. 23 Sek.

Anzahl der Discs: 1




Film:

Wenn man die Handlung von Full Metal Jacket beschreiben will ohne zu viel zu verraten, kommt man schnell in Schwierigkeiten. Denn der Film zerfällt praktisch in zwei Teile, die von ihrem Gewicht her auch als eigenständige Filme stehen könnten.

Den roten Faden des Films bilden die Erlebnisse von Marine Private “Joker” (Matthew Modine), der zunächst das Boot-Camp durchläuft und später in Vietnam das Sterben und Töten im Krieg am eigenen Leib erfährt.

Während sich der erste Teil im Boot-Camp mit der Verwandlung der Rekruten in tötungsbereite Soldaten beschäftigt, behandelt die zweite Hälfte vorrangig wie der Krieg Menschen verändert und wie diese ihre Erlebnisse verarbeiten.

Im Boot-Camp personifiziert sich die Unmenschlichkeit der militärischen Ausbildung in dem – durch Lee Ermey legendär verkörperten – Drill Sergant Hartman. Die Auswirkungen der fortschreitenden Entmenschlichung zeigt sich dagegen am deutlichsten in der Figur des Private “Pyle” (genial, Vincent D’Onofrio). Der als von allen gehasster ständiger Versager, zur funktionierenden soldatischen Maschine mutiert, aber letzten Endes unter den Umständen zerbricht.

Der anschließende zweite Akt ist weniger fokussiert und befasst sich hauptsächlich mit einer Gruppe von Marines, in deren Zentrum “Joker” sein Fotograf “Rafterman” (Kevyn Major Howard), “Jokers” Kumpel aus dem Boot-Camp “Cowboy” (Arliss Howard) und Maschinengewehrschütze “Animal Mother” (Adam Baldwin) stehen.

Dabei nutzt Kubrick die Gruppe um die verschiedenen Soldaten-Typen vorzustellen und deren Motivationen und Ansichten zu schildern. Wobei er eine weitestgehend Abstand haltende beobachtende Perspektive einnimmt. Erst im Finale wird der Zuschauer auch wieder emotional mehr mit dem Geschehen und den Figuren involviert.

Interessant ist, wie es Kubrick gelingt, mit perfekten Timing in weniger als 2 Stunden, Inhalte und Aussagen zu transportieren, für die man einen 3 Stunden dauernden Film vermuten würde, aber nur 90 Minuten spürt.

Obwohl Kubricks Erzählweise eher distanziert ist, kann der Film dennoch verfangen. Denn gerade dieser Abstand verleiht dem Film einen Realismus, der die Drastik der geschilderten Ereignisse noch eindringlicher macht.

Im Fazit bietet Full Metal Jacket keine nervenzerreisende Spannung oder spektakuläre Schlachtszenen, aber dafür eine präzise Schilderung der Gefahren, die Entmenschlichung durch Drill und Krieg mit sich bringen.

Urteil: sollte man gesehen haben




Bild:

Der neue “remastered” Transfer von Full Metal Jacket gehört in Sachen Bildschärfe und Detaildarstellung sicher nicht zu den Top HD-Titeln, bietet aber in beiden Kategorien durchaus ansehnliche Ergebnisse.

Zwar sorgen ein stets sichtbares Filmkorn und recht blasse Farben dafür, dass sich nie ein echter 3D-Effekt einstellen will, aber dank gutem Kontrast erhält das Bild immerhin eine gewisse Tiefenwirkung.

Insgesamt erscheinen die Farben, die wie gesagt etwas zurückgenommen sind, sehr natürlich und passen zu dem rauhen distanzierten Stil des Film. Unter den Gesamtumständen ist der Schwarzwert solide aber nicht überwältigend.

Leider ist der Transfer in Sachen Bildschärfe nicht ganz frei von Unstimmigkeiten, so wirken einzelne Stellen unscharf bzw. weicher als der Rest. Gelegentlich wirken dunkle Szenen (im Boot-Camp) leicht künstlich aufgehellt.

Obwohl der Transfer überwiegend sauber ist, fallen doch von Zeit zu Zeit kleinere Beschädigungen und Unreinheiten des Ursprungsmaterials auf. Die Kompression hingegen ist fehlerfrei und entsprechende Bildfehler sind diesem Transfer daher fremd.

Im Vergleich mit der DVD – die erste HD-Version habe ich leider noch nicht gesehen – ist die Deluxe Edition ein deutliche Weiterentwicklung in Sachen Bildqualität.

Urteil: 6 von 8 Punkten




Ton:

Hauptproblem des Sounds dieses Transfers ist seine deutliche Beschränkung auf die vorderen Kanäle. Was nicht bedeutet, dass die hinteren Kanäle nicht zum Einsatz kommen, dies geschieht aber leider extrem zurückhaltend und echte Surround-Effekte sind sehr selten.

Auch wenn die Kampfszenen in der zweiten Hälfte des Filmes durchaus akustische Akzente setzen können und der Sound über die meiste Zeit – mit den genannten Einschränkungen – stimmig ist und detaillierte Effekte bietet, fehlt es ihm insgesamt einfach an der nötigen Aggressivität und Dynamik um zu beeindrucken.

Auch in Sachen Dialog sieht es stellenweise nicht gut aus. Der Ton wurde dabei so schlecht abgemischt, dass man gelegentlich schwere Probleme hat, die Stimmen der Darsteller zu verstehen bzw. dies unmöglich ist.

Urteil: 4,5 von 8 Punkten




Extras:

+ Full Metal Jacket: Between Good and Evil (SD ,MPEG2)
+ Theatrical Trailer (SD, MPEG2)

Die Deluxe Edition erschlägt nicht gerade mit Bonusmaterial. Die etwas mehr als 31 Minuten lange Dokumentation über die Enstehung des Filmes gibt dann aber wenigstens auch einige interessante Einblicke in Stanley Kubricks Arbeitsweise, das Casting und die Produktion insgesamt.

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